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Akzeptieren aus Vernunft

Habe ich den Schlüssel? Brauche ich einen Regenschirm? Ach, und auch noch das Mittagessen fürs Büro! Vielleicht auch noch eine Strickjacke, es ist ja doch kühl in den letzten Tagen. Ein ganz normaler Morgen, an dem ich aus dem Haus gehe.

Am Gartentor fällt es mir dann aber wieder ein. Ich habe etwas vergessen. Die Maske. Gestern Abend habe ich sie gewaschen, hoffentlich ist sie trocken. Wenn nicht, muss ich eine andere nehmen.

Etwas Neues nimmt wie selbstverständlich Einzug in unsere Taschen. Die Masken gehören mittlerweile zu den Selbstverständlichkeiten, die man mit sich führt. Manche baumeln am Autospiegel, blitzen aus der Jeanstasche, und bei den meisten hängen sie um den Hals, wenn sie nicht gerade gebraucht werden. Wie schnell das gegangen ist, dass sie in unseren Alltag Einzug genommen haben. In wenigen Wochen sind sie für manche schon zu einem Modeartikel geworden.

Da soll mal einer sagen, wir seien nicht flexibel. Wir gewöhnen uns an so manche Neuerung in dieser Zeit, wohl oder übel. Und doch fällt uns auch manches schwer zu ertragen. Nach Wochen, in denen man sich nur per Videokonferenz sah, steht man sich in der Stadt plötzlich gegenüber. Aber immer auf Abstand! Kein Umarmen, kein Händedruck! Muttertag, Omatag! Endlich kommen Generationen wieder zusammen. Der Fünfjährige fällt der Oma um den Hals und gibt ihr schnell einen Kuss! Und schon hat er ein schlechtes Gewissen.

Die Eltern haben ihm noch im Auto gesagt, dass er das nicht darf, weil er die Oma schützen soll! Keine Geste der Zuneigung, kein Kuss, keine Berührung, ob wir uns daran gewöhnen können? Ob wir so flexibel sind?

Ob wir uns daran gewöhnen wollen? Ich denke nicht. Wir müssen dies jetzt aus Vernunft akzeptieren, können aber darauf hoffen und es uns wünschen, dass es sich wieder ändert, dass in unserem Alltag neben und trotz Masken Nähe zu Menschen vielfältig gezeigt werden kann, auf welche Weise auch immer.

 

Susanne Schmuck-Schätzel (Evangelisches Dekanat Alzey-Wöllstein) für die christlichen Kirchen in Alzey-Wöllstein und Umgebung


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