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Aufbruch – Umbruch – Neubeginn

Emmaus, ein kleiner Ort nahe Jerusalem. Dort spielt seit Kindertagen eine meiner liebsten Geschichten der Bibel.

Da gehen zwei spazieren, diskutieren schlimme Ereignisse miteinander und sind traurig, weil nichts mehr so ist, wie es war.
Die Welt unserer Protagonisten hat sich verändert, und nicht zum Besseren. Aber immerhin, sie haben sich und sie brechen auf: Der Weg wächst im Gehen. Was begegnet ihnen auf dem Weg?
Plötzlich, noch während sie am Diskutieren sind, taucht eine dritte Person auf und bringt Dynamik in die Handlung. Wir Zuhörerinnen und Zuhörer wissen natürlich Bescheid, so ist das immer in guten Geschichten, die zwei Wanderer merken noch nichts.
Im Gegenteil: Sie wundern sich über die Naivität des Weggefährten: Hat der noch nichts von der Hinrichtung Jesu gehört und davon, dass Frauen ihn gesehen haben wollen? Was denkt der Unbekannte? Wie kann das alles spurlos an ihm vorbeigegangen sein, was die Welt seit Tagen in Atem hält?
Der Fremde legt ihre alten religiösen Geschichten aus, die Zeit vergeht im Nu und als er weitergehen will, drängen sie ihn, mit einzukehren. Eigentlich sind sie die Einladenden, aber die Rollen vertauschen sich. Der Neue hat Gastgeberqualitäten, spricht ein Gebet, bricht das Brot und teilt es aus. Aha, Erkenntnisgewinn bei den beiden Freunden, sie erkennen ihn, die „Augen gehen auf“ in diesem „Augenblick“ und sie erinnern sich, dass das Herz brannte, als sie noch unterwegs waren. Einordnen konnten sie das nicht. Jetzt ist die Freude umso größer, jetzt können sie doch wieder zusammen sein, so wie immer. Aber plötzlich ist Jesus schon wieder weg. Nicht zu fassen, nicht zu halten, nicht verfügbar.
Faszinierend so viel Unerwartetes, Rätselhaftes. In dem Moment, indem sie sich den Freund „einverleiben“ wollen, ist er auch schon wieder weg. In dem Moment, indem sie ihn zwar physisch nicht erkennen, sich aber ihrer „Verwandtschaft in der Seele“ gewahr werden – durch das Ritual des Teilens -, müssen sie ihn gehen lassen. Ist das tragisch?
Dieses Ausloten von Nähe und Distanz ist vielleicht deshalb so schwer auszuhalten, weil von außen vorgegeben und nicht selbst gewählt. Es geschieht einfach, es gibt keine Kontrolle darüber. Das macht den Männern zu schaffen. Das macht allen Menschen zu schaffen, Das macht mir zu schaffen.
Aber gut zu wissen, dass Nähe möglich ist, trotz allem. Indem, was wir in kleinen Momenten einander geben können, in dem, was wir bewahren an gemeinsamer Erfahrung und was wir weitertragen und vorleben, in Ritualen, die neue Formen finden dürfen. Anders als wir es gewohnt sind und so lebendig, wie wir offen bleiben…für Geheimnisvolles, für Flüchtiges und Fragmentarisches in unserem Leben und das, was anders ist als sonst. Ostern ist anders, schon immer. Was wir aus diesen anderen Zeiten machen, liegt bei uns. Ob wir uns „anrühren“ lassen, ob wir verbunden bleiben mit unseren Lieben, mit dem Leben, mit Gott, hängt auch davon ab, welche Geschichten wir erzählen.
Die Freunde im Bibeltext brechen erneut auf und kehren heim. Sie erzählen von Freundschaft und Hoffnung und Zuversicht über alles Schwere hinaus. Das macht Mut!

Petra Tebrün (Evangelisches Dekanat Alzey-Wöllstein) für die christlichen Kirchen in Alzey-Wöllstein und Umgebung Freitag, 24. April 2020


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