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Beppo

Kennen Sie Beppo? Michael Ende schreibt in seinem Buch „Momo“ über ihn: „Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.“ Er war ein Strassenkehrer.

Während der Arbeit hat Beppo viele tiefsinnige Gedanken und er teilt sie mit Momo, der er sie abends erzählt. Sie kann gut zuhören und das hilft dem einfachen Beppo, seine Gedanken zu sortieren:

„Siehst du Momo“, sagte er zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; dass kann ich niemals schaffen, denkt man.“ Er blickt eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an sich zu eilen und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: “Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich.“

In diesen Tagen, in denen manchen die Dinge nicht schnell genug gehen und andere sich fragen, wie lange das Ganze noch dauern kann oder dauern muss, lohnt sich ein Blick auf die Lebensauffassung von Beppo:

“Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“

Vielleicht sollten wir heute mal ein Blick auf die Schritte richten, die in dieser „anderen Zeit“ schon gegangen wurden, auf den den Teil der Strasse, den wir zusammen schon geschafft haben.

 

Kerstin Schuh (Evangelische Jugend im Dekanat Alzey-Wöllstein) für die christlichen Kirchen in Alzey-Wöllstein und Umgebung Freitag, 03.04.2020


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